Auf nach Ginza. Es ist unglaublich heiss heute, unsere Schatten liegen beinahe direkt unter unseren Füssen, viele Japanerinen sind mit Schirm unterwegs. Auf der Suche nach dem Bild aus "Lost in Translation",
Rückenperspektive in der Fußgängerzone, über eine Fülle von Zebrastreifen geschmückten Strasse laufend, rechts zu links, hier zu da, quer. Alles ist möglich. Optimiert. Es ist nicht - wie erwartet - laut oder hektisch,
beinahe still und organisiert. Einzig fällt uns eine Art Musik, Klingklang bei grüner Ampel auf. Fast wie ein Stop-Tanz, bei Musik wird gelaufen, wieder Pause. Dann wieder los. Und Stop.
Zwei Frauen führen uns zum Eisladen "Okinawa", inmitten eines All-you-need-Shops - wir finden keine passende Beschreibung, es gibt ein kleines Durcheinander an Dingen zu essen, zu kaufen, zu probieren, vielleicht ein
Convenience Store. Er ist klein, aber ganz hinten gibt es eine Eisbar, hinter der Eisbar gibt es eine Bank mit einem Waschbecken in der Ecke.
Wir sehen den Japanern zu, sie waschen sich am Waschbecken bevor sie ihr Lunch auf der Bank im Supermarkt, ganz hinten neben der Kosmetik-Abteilung essen, während andere einkaufen.
Die Verkäuferin dieser Abteilung bringt uns Tücher als sie
Raphi beim Eisessen kleckern sieht. Niemand isst hier aus der Tüte auf der Strasse beim Gehen, nebenbei, niemand isst hier mit schmutzigen Händen.
Beim Kaiserpalast laufen die Kinder das erste Mal barfuss, sie klettern die Bäume hoch. Wir machen Pause, zwischen Kaiserpalast und Hochhäusern. Ein schöner Kontrast, aus den Bäumen heraus erwachsen Blöcke.
Grün zu Grau, organisch zu technisch. Immer wieder fällt uns dieses massive Grün auf. In jeder Strasse gibt es grün, sogar innerhalb der Hochhäuser selbst gibt es Hecken oder Bepflanzungen. Immer in der Nähe ein Park,
eine Bank, eine Ort zu ruhen, ein Baum zu Atmen, ein Ort der Stille, eine Einladung zu Flüchten.
Zufällig finden wir zum Zojoji Tempel, zum Wasserkinder-Friedhof. Beide Kinder fasziniert von der Masse der "Steinpuppen" mit roten Mützen und Windrädchen. Nicht weit davon finden wir den Fuss des Tokyo Towers. Aus
dem Detail heraus zum Überblick. Zoom innerhalb weniger Sekunden, Google Maps in live. Weit und gross, von oben unnahbar, nicht zu verstehen, unten aber; mittendrin zum Anfassen, zum Wohlfühlen.
Weniger fremd als noch vor zwei Tagen erscheint uns Tokyo jetzt. Es bekommt Gesichter, es wird zu einer kleinen, persönlichen Gesamtkomposition. Zum Bild gewordene Vorstellung. Jetzt waren wir in Tokyo. T O K Y O.
Es gibt Tokyo.
Morgen geht es hinaus mit unserem Mietwagen, auf irgeneiner Strasse, da unten. Nach Norden.