"Please program our GPS to take us to Matsushima"

18.05.2010, 11:01 PM

Am Ende eines Tages sich an den Anfang zu erinnern fällt schwer. Besonders heute, nachdem wir in Tokyo mit unserem Mietwagen starten und 600 km weiter nördlich an der Küste den Tag beenden. Hier ist es komplett anders als gestern oder heute morgen noch. Die Autofahrt ist besonders. Auf der linken Spur. Ohne Ahnung, nur mit Hilfe des Navigationssystems - auf japanisch - fahren wir durch Tokyo, fahren wir die ganze Strecke. Die Strassen sind schmaler als in Deutschland, der Verkehr aber entspannt, trotz der vielen Möglichkeiten zu fahren - übereinander, nebeneinander, quer, achtspurig. Unsere Ziel: Matsushima, oh Matsushima! Keine Ahnung was die Strassenzeichen und Schilder bedeuten. Keine Ahnung auf welchen Strassen wir gerade sind. Kein Ahnung wie schnell wir fahren dürfen, wo oder wie wir fahren dürfen. Wir fahren einfach im Fluss. Und kommen voran. Dank GPS.

Wir fahren nach Matsushima, eine der drei schönsten Landschaften Japans. "Auf der Suche nach Freundschaft und der Harmonie mit der Natur" -

The story goes that back in the 17th century, a grand poetry contest was held in Matsushima, one of the most scenic spots in all of Japan. Hundreds of poets submitted entries praising Matsushima's sweeping bay, the islands dotted with pine trees, and the mountains rising majestically in the background. The winner, though, was the renowned Haiku master Basho, who wrote this poem:
Ah, Matsushima!
Ah-ah Matsushima! Ah!
Matsushima! Ah!

Fangen wir hier an Haikus zu schreiben? Schön wäre es, oder einfach nur wunderschöne Natur zu sehen, aufzunehmen.

Die Landschaft verändert sich, es wird satt grün, bergig, Reisfelder ziehen vorbei. Schön ist es draussen. Die Berge spitz, die Bäume vielfältig, die Farbtöne noch intensiver, die Formen skurriler. Man fühlt die Insel Japan, an der Luft, an der Perspektive, an der Feuchtigkeit. Mehr noch, als wir bei unserer Jugendherberge aussteigen. Es riecht nach Blumen, nach Wiese, nach Wasser, nach Grün, es riecht feucht und frisch. Unsagbares Vogelgezwitscher. Gezirpe. Meeresrauschen.

Bei Eintritt in die Jugendherberge wechseln wir unsere Schuhe gegen Schuhe des Hauses. Wir bekommen unser Familienzimmer. "Der Mann der immer läuft" erklärt uns die Herberge, er läuft von Raum zu Raum um uns unser Bettzeug zu holen, um uns das Bad zu zeigen, die WC-Schuhe, das Onsen, eine Landkarte, den Automaten und das Internet. Es riecht seltsam hier drinnen, nach früher, nach Grossmutter, nach Fleischbrühe, nach Reinigungsmittel, nach Chlor und nach Öl. Und er läuft weiter. Hinter seinen Thresen. Die Japaner sind schnell beim Tun.

Wir gehen essen, vielleicht in einen Dorfgasthof, auch hier wieder dieser Geruch, noch stärker. Komisch, dass es unsere Kinder nicht stört. Das Essen ist das erste Mal richtig original, denken wir. Wir wissen gar nicht richtig was wir bestellen. Unsere Kinder essen. Sie essen ohne Beanstandung in dem Haus in dem es seltsam riecht, sie essen Fleisch aus einer Fischbrühe, an einem Ort der so fremd ist, während sie zu Hause das bestgemeinte ökologische Fleisch ausspucken und sich auf den Boden schmeißen? Warum ist das so? Und dann noch, es macht den Tag perfekt: wir finden den ersten Spielplatz, mitten in der Weite, eingebettet in der Natur, nicht weit vom Pazifik. Wichtiger als die Schönheit Matsushima. Noch bis es dunkel wird bleiben wir auf dem Spielplatz und verschieben die Felsen auf morgen.