GEDICHTKOPFKISSEN

19.05.2010, 11:55 PM

Am Morgen gibt es Frühstück. Wir sind alleine im Frühstücksraum. Nur für uns ist gedeckt. Es gibt um Punkt 8 Uhr Frühstück, kein "von ... bis", sondern ein Punkt. Japaner sind pünktlich. Bringen die Dinge auf den Punkt. Wir versuchen schnell los zu kommen um eine Schiff zu den Felsformationen zu nehmen. Der Parkplatz an der Anlegestelle wird mit Musik beschallt. Fast keine Touristen sind hier. Wir steigen ins Boot mit wenig anderen Menschen. Ziehen auch dafür unsere Strassenschuhe aus und setzen uns auf Kissen in das kleine Boot, das so schnell losfährt dass beide Kinder zusammenzucken. Leah findet es gut, Raphi beschreibt es mit "Angst", ist ambivalent - er muss ja eigentlich Schiffe mögen. Das Wasser ist grün. Und dann sehen wir sie, diese Felsen, abgeschliffen von der Mächtigkeit des Wassers, Bäume die sich dem Wind beugen. Höhlen und Brücken, Möwen dazwischen. Schade dass wir den Schiffsführer nicht verstehen, der fast zu jedem Stein etwas zu erzählen weiß. Wir sind ganz nah bei den Felsen, face to face, so als würden wir andere Lebewesen antreffen, Persönlichkeiten aus Stein geschliffen, Statuen, Geschichten erzählend.

"For those islands that are tall Basho says they grandly point up towards heaven. Meanwhile, those that are prostrate are crept about by the waves and show a kind of groveling respect. Some islands are stretched out in layers of two and some in stacks of three; on the left they are separated, on the right they are joined together; some carry the other on their backs, some embrace each other the way one embraces or carries children and grandchildren."

Zurück an der Anlegestelle, fragen wir wieder:
Please program our GPS to take us to ...
Die Fahrt bringt uns ins Gebirge. In die Nähe von Lake ..., in eine traditionelles Onsen. Mehr Japan geht nicht. Draussen wehen Fahnen, es stehen hölzerne Schirme bereit, es läuft warmes Quellwasser einen Brunnen längs. Es riecht nach Schwefel. Innen laufen viele Angestellte eilig umher. Wir wechseln unsere Schuhe, wir wechseln unsere Kleider. Frau Suzuki spricht ein wenig Englisch, erklärt uns das Zimmer, wo wir welche Schuhe anziehen. Wir setzen uns mit ihr in unser Zimmer, sie bereitet Tee, zeigt uns einen Plan. Viel verstehen wir nicht. Ist das die Realität? Hier erholen sich Japaner. Wir versuchen es dem nach zu tun und gehen in das Onsen.

Fauxpas der Ausländer (Wikipedia)
Sich nicht rechtzeitig die Schuhe auszuziehen (meistens vor einer hölzernen Stufe).
Beim Duschen vom Bänkchen aufzustehen.
Sich (vor dem Bad) nicht gründlich mit Seife und Shampoo zu waschen.
Den Schaum nicht gründlich abzuspülen.
Das Waschtuch in Berührung mit dem Onsenwasser zu bringen.
Sich beim Herausgehen in den Umkleidebereich nicht abzutrocknen.

Vorher reinigen wir uns also mit Eimern die wir über uns kippen, dann gehen wir raus, neben dem Wasserfall, finden wir uns im heissen Quellwasser. Sind wir das? Wie irreal. Und wie schön. Nach dem Waschen, Baden und dem Anziehen der Yukata gehen wir in den Speiseraum. Alle haben den gleichen Anzug an, sitzen am Boden, während unzählige Schälchen am Tisch stehen. Wie schön. Wie rein, wie kostbar.