ENDSTATION WASSER

23.05.2010, 11:17 PM

Unser heutiges Lager auf den Weg nach Südwesten: Aizu-Wakamatsu, am Bandai-Asahi-Nationalpark. Dieser Ort liegt ziemlich gut auf dem Weg, nicht weit davon liegt das Thermalbad Higashiyama-onsen. Am Tempel fragen wir in der Touristeninformation nach einem Hotel. Zwei kaum Englisch sprechende Japaner telefonieren Minuten lang - vielleicht 30 Minuten - um ein Hotel für uns zu finden. Bis sie uns sagen, sie hätten eines gefunden, für uns gebucht. Ein wenig irritiert über diese Fremdentscheidung sind wir letzten Endes froh etwas gefunden zu haben. Beim Warten treffen wir das erste Mal auf andere deutsche Touristen. Sofort spielen Leah und Raphi dem anderen Kind, während sie bei asiatischen Kindern zurückhaltender bleiben. Besonders Raphi zieht es bei Kontakt mit japanischen Menschen zurück zum Gewohnten, zurück zur Mama, ganz fest. Alles scheint für ihn sehr befremdlich zu sein, besonders vielleicht, dass sich viele um die beiden KInder sehr bemühen, sie ansprechen oder anlächeln. Öfter schon, stand er dann und schnitt Grimassen oder liess laute Schreie von sich, fast als würde er den Menschen verjagen wollen. Leah hingegen amüsiert sich, oder spielt ein wenig mit der Kontaktaufnahme. Sie genießt es fotografiert zu werden.

Wir fahren zu unserem Hotel, am Hang ein Hochhaus. Es sieht nach Tausenden von Betten aus. Am Eingang stehen ca. 10 Angestellte, die uns Regenschirme über den Kopf halten, uns begrüssen, Taschen abnehmen. Yoko ist für uns zuständig. Sie spricht ein wenig Englisch, wir merken wie aufgeregt sie ist, wohl sind wir nicht ganz alltäglich. Wir verstehen nicht alles, allerdings wird deutlich, dass wir hier nicht Abendbrot essen können. Aus Höflichkeit stimmen wir zu, dass sie uns später mit dem Hotelbus zum italienischen Restaurant bringt. Der erste Italiener in Japan. Es ist gemütlich, und lustig. Nach Hause möchten wir gehen, Bewegung. Es regnet nur ganz wenig, das Hotel ist in Sichtweite. Sie wundern sich, winken uns draussen vor der Türe nach. Ein paar Minuten später sehen wir Yoko uns entgegenlaufen: sie bringt uns Regenschirme und begleitet uns zum Hotel. Wir lachen. Ist so Japan? Gastlich, absurd?

Im Hotel gehen wir in das Onsen, Männer und Frauen getrennt. Wir folgen den Ritualen soweit wir sie verstehen. Im riesigen Waschraum setzen wir uns auf Hocker, übergiessen uns mit Wasser. Viele Seifen und Shampoos stehen zur Verfügung. Hornhautabrubbelseife, Peeling, Gesichtsseife. Die anderen sitzen lange vor dem Spiegeln, sich begiessen, sich pflegen. Ein schönes Selbst-Bewußtsein, Reinigung. Danach gehen wir in die heiße Quelle nach draussen, setzen uns auf die Stufen bis wir uns ganz schwer fühlen, müde werden. Unsere Haut fühlt sich inzwischen ganz weich an, geschmeidig, schön sich nur den Mantel überzuziehen und auf die Matte zu fallen.