BUTTERBROT

29.05.2010, 11:59 PM

Aufstehen. Gleich. Das alte, buckelige Damen Team steht in unserem Zimmer mit dem Frühstück. Was für ein Anfang des Tages! Es war also kein Traum gestern, alles wahr: buckelige, alte, fleißige Frauen. Eine Waschmaschine im Garten. Irgendwo in den Bergen bei Kobe. Verschlafen stehen wir auf, schieben Raphi in die Ecke, da der Tisch in der Mitte aufgebaut wird, Leah wird wach. Der Appetit ist eigentlich noch klein, Unmut. WIr müssen uns daran gewöhnen. WIr sind in Japan, alles anders, Kopf umstellen, sich freimachen, wir sind zu Gast, anpassen. Dennoch fällt es gerade schwer den Dingen so zu begegnen. Hätte nicht alles auf dem Tisch auch noch Augen. Alles schmeckt ungewöhnlich: sauer, salzig, matschig, schleimig. Puhhh. Wie wäre jetzt ein schönes Butterbrot?

Langsam sind wir wach. Wir gehen raus, entdecken einen wundervollen, gemütlichen Ort, begegnen einen Affen als Strassenkünstler. Unser Ziel: Rokko San, der höchste Berg bei Kobe, knapp 1000 Meter hoch. Noch ahnen wir nicht welch wundervolle Natur uns erwartet. Was für ein Erlebnis nach diesem Anfang - niemand hätte das erwartet. Stundenlang wandern wir durch einen Wald, neben Wasserfällen, Bächen, wohlriechenden Gewächsen den Berg hinauf. Der Weg ist großartig. Wir trinken aus den Bächen, riechen an der Natur, wir treffen liebe Menschen, bekommen Dinge geschenkt. Voller Freude und schöner Erschöpfung erreichen wir das Ziel, ganz oben mit Sicht über Kobe, dem Hafen und das Meer. Was für ein Tag! Ganz nahe bei der Natur, ganz nahe bei uns. Die Welt ist schön. Das Gebiet oben ist sehr erschlossen, so dass wir uns stärken können und mit der Seilbahn den Weg nach unten fahren. Ein perfekter Tag, erschöpft und spät kommen wir an, bei den alten, buckeligen Frauen, die uns heute kaum noch erschrecken.