Mt. Fuji
the highest, finest mountain of all
the symbol of Japanese soul
we have sincerely loved it
from ancient time
and still we're deeply fascinated by it
Aufwachen. Blinzeln. Der erste Blick fällt nach draussen. Ist er da, der Berg? Nein. Wolken, noch einmal. Wir fahren zum See Kawaguchiko, wandern auf eine Aussichtsplattform - auf dem Weg finden Leah und Raphi einen Riesenregenwurm. Beinahe face to face zum Berg, dazwischen ein riesiges, weitläufiges Tal. Gegenüber in Wolken verhüllt: Mount Fuji, zum Greifen nahe, zum Sehen nahe. Jetzt wäre der Anblick Realität. Ein einziges Mal, für Sekunden, erscheint eine etwas mit Schnee bedeckte Struktur. Mehr nicht. Aber da ist etwas. Macht es die Sehnsucht größer, da wir ihn nicht sehen? All die Fotos und Abbildungen sind nichts gegen einen echten Anblick? Würde der Anblick tatsächlich viel bedeuten, würde er etwas verändern? Würde das Wetter offen, wäre der Berg dann besonders? Vielleicht gerade die hohe Wahrscheinlichkeit bedeckt zu sein macht ihn faszinierend. Vielleicht muss man ihn nicht sehen, nur wissen, vielleicht auch seine Gegenwart erleben. Mt. Fuji ist mehr als nur ein Berg. Er ist die vollkommene Reduktion eines Berges, vielleicht ein naturgeformtes Icon, minimale Striche, naturgeformte Perfektion. Es ist der Berg an sich. Würde man Kindern einen Berg aufmalen, wäre es diese Kontur. Er ist also eine Vorstellung.

Mit der Seilbahn fahren wir wieder ins Tal zurück, essen Käsekuchen und gehen zur Bahnstation um mit dem Zug zurück nach Yoshida, zu unserem Hotel zu fahren. Ganz in der Nähe, 5 Minuten davon entfernt ist der Kitaguchi Hongu Fuji Sengen Shrine, der Startpunkt des traditionellen Weges zum Mount Fuji. Was für ein Anfang eines Wanderweges, was für ein Gefühl den Weg zum Tempel zu gehen, den ersten Schritt auf dem langen Weg zum Gipfel zu tun. Natürlich ist uns klar, das wir eines Tages die restlichen Schritte gehen müssen. Wir fühlen uns wie angezogen, fasziniert, neugierig vom Gefühl des Aufstieges. Der Tempel ist magisch, von riesigen Bäumen umgeben - wir fühlen uns wie Regenwürmer, klein, bodenständig - geheimnisvoll verborgen in der Natur, beschützt. Nur wenige Menschen sind hier, es dämmert bereits. Wasser plätschert, Vögel singen. Zwei Japanerinnen nehmen uns mit hinter das Tor zum Tempel. Raphi verweigert sich, ahnt Ungewisses. Erst gehen wir zur Reinigungsstelle, waschen uns Hände und den Mund, gehen dann zum Tempel. Die Frauen sind voller Drang uns zu erzählen, sprudeln japanisch, erklären mit Gesicht und Händen, zum Teil nachvollziehbar. Sie fangen an zu singen, beten, klatschen in die Hände, werfen Geld in den dafür vorgesehenen Ort, geben auch uns Geld dafür. Sie beten für uns mit. Sie wirken glücklich, kraftvoll, gläubig. Am Ende reinigen sie Leah, fahren ihre Kontur nach und werfen etwas Unsichtbares in den Tempel. An einem Baum, der schräg steht, klopfen sie mit beiden Händen an der Rinde, danach verabschieden sie uns. Was für eine Begegnung am Mt. Fuji.