LOST IN SPACE

01.06.2010, 11:50 PM

Ein letzter Blick zurück, noch für ein paar Minuten sichtbar, dann verschwindet er: Mt. Fuji. Er zeigte sich also doch noch ein wenig, zwar verhüllt im Schleier der Wolken, aber deutlich in seiner Kontur. Mächtig! Überragend! - als würde er einen Mantel ausbreiten und das Tal darin beschützen. Mit Mt. Fuji im Rücken fahren wir nach Tokyo um unser Auto abzugeben. Ein schöner Schlusspunkt. Ja, melancholisch blicken wir zurück: das war unser Japan. Das erste Mal berührt, betreten, erfühlt, erfahren. Japan hat Bilder, ist nun getragen von Erlebnissen, ist vom Wort zum Bild geworden und wird in wenigen Tagen Erinnerung sein. Japan ist wundervoll, überraschend anders, überraschend mehr als in der Vorstellung. Japan ist geradlinig, reduziert, fein und liebevoll. Japan bringt vieles auf den Punkt, lädt ein im Punkt zu verweilen, hält an.

Zurück in Tokyo verfallen wir wieder dem Staunen. Wir wohnen im 49. Stock. Vor uns, die Unendlichkeit. Kaum zu beschreiben. Wir fahren noch einmal nach Asakusa. Wir irren im Raum, verirren uns, sind unorientiert, suchen bei den Untergrund-Zügen nach richtigen Ausgängen, stehen an falschen Automaten, stoßen zusammen, stocken im Fluss der Menschen, suchen ewig nach einem richtigen Bankautomaten, laufen im Kreis, bis wir völlig kraftlos abends wieder zurück in unser Zimmer kommen. Anstrengend ist es heute, liegt es am Wochentag, liegt es an der Melancholie, liegt es am Willen noch zwei schöne letzte Tage in Tokyo haben zu wollen?

Um uns: Ein Lichtermeer. Wir schließen die Augen, hören das Rauschen der Stadt. Die Stadt atmet. Die letzte Nacht in Tokyo.