Es ist 4:25 Uhr, morgens. Der Wecker klingelt. Das Zimmer steht nach Osten. Immer noch Rauschen, immer noch Bewegung auf den Straßen. Noch nichts genau zu erkennen, verwischt. Grauschimmer. Plötzlich das erste Leuchten, blutrot, ein kleiner Ball bricht hervor, durchbricht die Atmosphäre, ganz weit hinten, unscheinbar, noch nichts im Vergleich zur Stadt. Der Punkt steigt schnell, wird intensiver, strahlender, hebt sich, beleuchtet die Türme, gibt ihnen nach und nach mehr Kontur, mehr Volumen, mehr Farbe, mehr Identität. Die Sonne geht auf, jetzt schon - Sekunden später: hell und kraftvoll. Das Land der aufgehenden Sonne wird bestrahlt. Der Tag beginnt. Der Moment der ersten Berührung ist vergangen. Wie logisch von hier oben alles erscheint, wie planetarisch.

Stunden später, im Gewühle, erfahren wir das Gegenteil. Planetarisch? Weitläufig? Wir sind nichts, wir sind die Masse, jetzt mittendrin. Wir versuchen uns den Weg durch Shinjuku zu bahnen. Beinahe unmöglich.
"Der Gebäudekomplex des Shinjuku ist unscheinbar. Dennoch ist er, gemessen an den Fahrgastzahlen, der größte Bahnhof der Welt. Drei Millionen Menschen strömen pro Tag durch den Bahnhof. In Deutschland werden am Tag viereinhalb Millionen durch das gesamte Bundesgebiet transportiert. 10 Eisenbahnlinien und 3 U-Bahnlinien kreuzen den Bahnhof Shinjuku. Er ist die zentrale Station auch für die am meisten frequentierte Nahverkehrsstrecke Japans, die Yamanote Ring-Bahn. Sie allein transportiert 3,5 Millionen Menschen am Tag. Die unzähligen Untergrundpassagen und Verbindungsgänge führen zu 200 Ausgängen. Erwischt man den Falschen, muss man kilometerweite Umwege in Kauf nehmen." (http://www.3sat.de/page/?source=/hitec/magazin/107143/index.html)
Am Ende steigen wir in ein Taxi um ins Grüne zu kommen. Die letzten Stunden in Tokyo verbringen wir im Park, auf einem Spielplatz. Die Kinder tauchen ab im Spiel. Um uns herum: Wolkenkratzer. Auch jetzt wieder, binnen Minuten verfärbt sich der Himmel von hell zu dunkel. Im Taxi zur letzten Station, ein Hotel am Flughafen, streift uns diese Stadt ein letztes Mal. Die Fahrt dauert ca. 1,5 Stunden. Stauenden beobachten wir das Lichtermeer, wie im Traum, irreal. Wir verabschieden uns.